Interview mit Fabienne geführt von Msgr. René Laurentin

Von den Rosenkreuzern
zum Christentum

Interview mit Fabienne
geführt von Msgr. René Laurentin (1)

 

                          
Fabienne Guerrero wurde am 14. April 1964 geboren. Sie ist mittelgroß, hat braune Haare blaue Augen und ist schlicht gekleidet. Sie hat sich die Genauigkeit bewahrt, die sie sich in ihrem Beruf als Chefsekretärin angeeignet hatte und ihr kontrastreicher Weg ist sehr beeindruckend.
Vier Kleinschriften erscheinen soeben beim Parvis-Verlag über dieses Thema: Rosenkreuzer, Reinkarnation, Spiritismus und Wahrsagerei.

René Laurentin (RL): Sie sind mit einer starken Klarsichtigkeit aus verschiedenen Sekten zu Christus zurückgekehrt. Erzählen Sie uns davon.

FG: Ich habe meine Jugend mit Drogen, Alkohol, nächtlichen Diskobesuchen und den Sünden des Fleisches verbracht. Ich habe schlechte Musik gehört und schlechte Filme angeschaut. Ich habe Spiritusmus, Astrologie, Numerologie, Wahrsagerei praktiziert. Ich habe mich mit New Age befasst und hatte Kontakte zu einem Guru, der mir zwei Chakren öffnete: das Stirnchakra und das Herzchakra.

RL: Sie waren auch bei den Rosenkreuzern. Was ist das?

FG: Das ist eine esoterische Bewegung. Von April 95 bis März 97 wurde ich in die Loge Haroeris von Marseille eingeführt.

RL: Worin bestand das?

FG: Bei der ersten Initiation trat ich mit einem besonderen Schritt der Loge bei. Ich kann dazu keine detaillierteren Angaben machen, sonst schaffe ich mir Feinde.


RL: Sind Sie christlich erzogen worden?

FG: Ja. Ich wurde am 3. Mai 1964 getauft und es folgte der normale Lauf der Dinge: Katechismusunterricht, private Erstkommunion, feierliche Erstkommunion (Glaubensbekenntnis).

RL: Wann begannen Ihre Kontakte zu den Rosenkreuzern?

FG: Im Juli 1993; im März 1997 habe ich sie endgültig verlassen. Ende 1996 habe ich eine erste Pilgerreise nach Medjugorje gemacht.

RL: Wie haben Sie sich von den Rosenkreuzern gelöst?

FG: Ich habe angefangen, den Rosenkranz zu beten und ich habe mich dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Am 9. August 1998 habe ich während einer hl. Messe bei der Bruderschaft von Bois le Roi einen Bund mit Maria, der unbefleckten Königin des Universums, geschlossen. Auf Anraten des Himmels habe ich Messen (mehrmals jeweils 30 Messen) für meine Seele feiern lassen, damit sie wieder Frieden findet. Ich habe viele Sakramente empfangen, auch mehrfach die Krankensalbung, obwohl ich nicht körperlich krank war. P. Rémels (aus Belgien) hat die Bande mit den esoterischen Kreisen, in denen ich mich befunden hatte, gelöst. Jeden Morgen bete ich den Kreuzweg, auf den die Laudes und die Messe in meiner Pfarrei in Béziers (Frankreich) folgen.

RL: Was bringt Ihnen Ihre morgendliche «Orchestermesse»?

FG: Wenn ich bei der Erhebung [der Hostie] den Herrn sehe, knie ich nieder und bitte ihn, mein Herz mit dem Feuer seines Herzens zu entflammen. Die Messe schenkt mir die Kraft, mich hinzugeben und Ihm zu folgen.

RL: Sie haben verstanden, dass die Vereinigung des Willens mit Gott, d.h. die Vereinigung in der Liebe (was dasselbe ist) das Entscheidende ist.

FG: Ja, für mich zählt die tiefe, innige tagtägliche Vertrautheit mit Jesus in Seinem Frieden und in Seiner Freude.

RL: Ja, ein Wille, der dem Leben eine Identifikation gibt!

FG: Ja. RL: Wann begannen Ihre Abwege? Schon in Ihrer Kindheit?

FG: Im Alter von 15 Jahren begann ich mit Wahrsagerei, Astrologie und Numerologie.

RL: Was ist Numerologie?

FG: Das ist eine Glaubensüberzeugung, die darauf beruht, dass Zahlen bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden. Man untersucht ein Lebensthema auf der Grundlage des Geburtsdatums, um ein Sternengefüge zu ermitteln.

RL: Was resultierte daraus?

FG: Ich ging durch 3 Etappen, deren Logik ich zu verstehen versuchte.

RL: Und New Age?

FG: New Age ist eine geistige Strömung, die nicht von Gott kommt. In dieser Bewegung habe ich nie gehört, dass von Jesus Christus als Sohn Gottes gesprochen wurde. Ich lernte, dass es das «Göttliche» gibt. Das Göttliche ist der erhabenste Ausdruck des kosmischen Bewusstseins, die höchste Vibration (Energie). Es zeigt sich durch die Ausstrahlung innerer und kosmischer Energie. Es fällt mit der Welt und dem Menschen zusammen. Das Individuum kann sagen: Gott ist in mir, ich bin mein Schöpfer. Mit einem Wort: alles ist eins, alles ist Energie, alles ist Gott. Der Christus von New Age, den ich kennen gelernt habe, ist ein schlichter Geist, der sich in Buddha und in Jesus von Nazareth manifestiert hat. Es war mir nicht möglich, mit einem persönlichen Gott in Beziehung zu treten; ich war nur eine einfache Welle des kosmischen Ozeans. Mein Heil bestand in der experimentellen Erkenntnis meiner sogenannten göttlichen Natur. Ich musste mich durch die innere Erleuchtung, durch Wiedergeburten, durch Selbstbeherrschung und eventuell durch das Erwerben von Macht persönlich verwirklichen, indem ich mich mit der göttlichen Energie verbunden habe, die Läuterung sowie die Harmonie mit sich selbst, mit den anderen und mit dem Universum bewirkt. Ich genügte mir selbst, ich brauchte weder eine Offenbarung, noch eine Erlösung, noch irgendeine äußere Hilfe. Dem Gesetz des Karma zufolge, musste ich meine eigenen Fehler im Verlauf von neuen Existenzen selber sühnen. Mein Glaube war «die Gnosis» (Geheimnisse, die Eingeweihten vorbehalten sind) und ich betete nie. Ich glaubte nicht einmal, dass es Sünde gibt.

RL: New Age ist recht bekannt; es hat sich aller Facetten unserer Kultur bemächtigt und daraus eine brillante, aber haltlose Synthese gemacht. Seine Anhänger sind davon betört, aber es lässt sie frustriert zurück. Was die Chakren betrifft, so ist ihre Bedeutung im Westen unbekannt; sie wurden von den Indern festgestellt. Es gibt 7 Chakren, angefangen beim Wurzelchakra bis zum Kronenchakra, das an der Kopfspitze ist. Das hat Sie allen Einflüssen unterworfen. Daher kam es zu Ihrem zügellosen Lebenslauf.

FG: Die Öffnung der Chakren hat mich vom Glauben abgewendet und mich für alle möglichen, seltsamen Abenteuer geöffnet, die mich zerstört haben.

RL: Dieser Guru wollte Sie für das öffnen, was «jenseits» unserer normalen Wahrnehmung ist.

FG: Ein Jahr lang nahm ich an seinen spiritistischen Sitzungen teil. Eines Tages schlug er mir eine große Reinigung vor. Da ich an die Reinkarnation glaubte, dachte ich, er würde mich vom Karma befreien, d.h. von der Knechtschaft meiner früheren Leben. Er legte seine Hand auf mein Herzchakra und zugleich auf mein Stirnchakra und er machte eine Anrufung in einer Sprache, die ich nicht verstand. Bei der nächsten spiritistischen Sitzung erhob sich die Kundalini. Ich war voller Angst, denn ich spürte eine große Kraft, die vom Wurzelchakra bis zum Kronenchakra durch mich hindurch ging und mich aufsteigen ließ.

RL: So wie es bei einer Levitation der Fall ist?

FG: Nein, ganz und gar nicht. Es zog mich durch den Kopf nach oben, ohne dass ich ein Ziel, oder einen Gegenstand erreichte.

RL: Wie kam es zu Ihrer langsamen Veränderung?

FG: Ende 1996 habe ich eine erste Pilgerreise nach Medjugorje gemacht.

RL: Welche Veränderung vollzog sich damals in Ihnen? FG: In Medjugorje habe ich wieder Freude an den Sakramenten gefunden, eine Freude, die ich im Alter von 15 Jahren verloren hatte; ich fand auch wieder Freude am Gebet, besonders am Rosenkranz.

RL: Eine gewisse allgemeine Erleuchtung.

FG: Ja. RL: Hat Sie das für Christus «geöffnet»?

FG: Ja. RL: Haben Sie erkannt, dass das vom Heiligen Geist kam? Er zeigt sich nicht, aber so wie die Projektoren während einer Vorführung hinter unserem Rücken sind, so erleuchtet auch Er die Szene: Jesus und seine Botschaft.

FG: Ich habe das Wirken des Heiligen Geistes sofort erkannt. RL: Der Heilige Geist belehrt uns nicht durch Worte, sondern Er schenkt uns Sein Licht, damit wir Christus und sein Handeln in uns wahrnehmen.

FG: Ich habe das Christentum ganz angenommen. Ich habe mich aktiv im Apostolat engagiert. Ich habe 5 kleine Schriften über meine Bekehrung geschrieben. Sie bekamen auf französisch das Imprimatur und sind auch auf deutsch im Parvis-Verlag erschienen. – Der Barmherzige Jesus hat mich vor der Hölle gerettet – Jesus hat mich vom Glauben an die Reinkarnation befreit – Ich habe den Orden der Rosenkreuzer (AMORC) verlassen – Der barmherzige Jesus hat mich vom Spiritismus befreit – Der barmherzige Jesus hat mich von der Wahrsagerei befreit Ich habe auch eine Homepage auf französisch eingerichtet: http://fabienne.guerrero.free.fr/

RL: Wie viele Menschen besuchen diese Homepage monatlich?

FG: Ich habe den Zähler schon vor einiger Zeit entfernt. Derzeit schreiben mir monatlich einige Dutzend Menschen aus allen frankophonen Ländern Emails.

RL: Und die Rosenkreuzer sind aus Ihrem Blickfeld verschwunden?

FG: Ich gehörte der AMORC von Juli 1993 bis März 1997 an und hatte den 7. Grad des Tempels erreicht.

RL: Wie viele Grade gibt es?

FG: 12, glaube ich. Nach Medjugorje schrieb ich dem Ordensleiter und teilte ihm meinen Austrittswunsch mit. Er fragte mich nach dem Grund und ich antwortete ihm: «Um in die katholische Kirche zurückzukehren».

RL: Waren Ihre Chakren noch immer geöffnet?

FG: Ja.

RL: Wer hat sie geschlossen? Denn dem Christentum öffnen sie sich nicht…

FG: Ein Priester, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, sprach ein Gebet, damit sie sich schließen, und alles kam wieder in die rechte Ordnung.

RL: Sie hatten Glück, dass bei Ihnen alles so schnell und letztlich auch so gut ging.

FG: Ja, dank der Sakramente, die ich täglich empfangen habe. Viele haben nämlich weiterhin Schwierigkeiten und sterben manchmal sogar daran, wenn die Kundalini sich meldet.

RL: Darf man Sie fragen, wer die Kundalini ist?

FG: Es ist eine mächtige Energie, die im Steißbein ist. Sie erwacht, steigt an der Wirbelsäule auf und bearbeitet Zentrum für Zentrum, bis zum Kronenchakra.

RL: Hat Ihnen das geholfen, für das Christentum eine bessere Rezeptivität zu haben?

FG: Nicht direkt. Ich begann, die Bibel, das Leben der Heiligen, das II. Vatikanische Konzil, den Katechismus der Katholischen Kirche zu studieren und ich sah, dass das gut war.

RL: Kamen Sie dadurch näher zu Gott?

FG: Ja. Ich verbrachte meine Nachmittage in einer Kirche in Marseille, um den Kreuzweg zu beten und um Zeit mit Jesus zu verbringen, und dort hörte ich eine Stimme. Sie kam aus dem Tabernakel und Jesus sagte mir: «Ich bin dein einziger Lehrer».

RL: Haben Sie diese Stimme gehört, oder innerlich «wahrgenommen», verstandesmäßig wie man so sagt?

FG: Ich hörte sie so, wie ich Sie reden höre.

RL: Aha. Sie hörten eine Stimme?

FG: Ja. Eine Stimme kam aus dem Tabernakel. Eine männliche, sehr starke Stimme. Sie erklang in mir. Das widerfuhr mir mehrmals.

RL: Wenn der Heilige Geist nicht spricht, kann Jesus, der Mensch geworden ist, jedoch in menschlichen Worten zu uns sprechen.

FG: Jesus sagte auch: «Meine heiligen Wunden werden dich retten», denn Er nahm mich in Seine heiligen Wunden, um mich zu retten.

RL: Hat Er Ihnen Anteil an Seinen Wunden, Seinen Leiden und Seinem Tod geschenkt?

FG: Nein. Noch nicht. Ich dachte, dass ich einen geistlichen Vater brauche.

RL: Und haben Sie einen gefunden?

FG: Ja. Mein erster geistlicher Vater, ein Dominikanerpater, erkannte, dass Gott zu mir sprach. Ist das normal, Monsignore?

RL: Ja, ganz und gar. Sie hatten das Glück, einen klarsichtigen Priester zu finden.

FG: Ich erklärte ihm, dass ich einen Freund habe und dass ich seit 1994 mit ihm zusammen lebe. Nach Medjugorje heirateten wir am 6. September 1997 standesamtlich, aber wir konnten nicht kirchlich heiraten, da er bereits kirchlich verheiratet war und dann geschieden wurde.

RL: Und seine Frau lebte noch?

FG: Ja, sie hatte ihn wegen eines anderen Mannes verlassen. Nach meiner Hochzeit hat mich Jesus eines Abends in meinem Zimmer besucht und mich aufgefordert, ihm zu gehorchen und in getrennten Zimmern zu schlafen. Dann hat Er zu mir gesagt: «Ich verlange Wiedergutmachung. Deine Sünde hat mich verletzt.» Und dann: «Ich will dich mit Leib und Seele». Mein geistlicher Vater bestätigte mir, dass wir in Keuschheit leben müssten, und Gott hat mir aufgetragen, Seine Barmherzigkeit zu bezeugen. Als ich wieder bei mir daheim war, habe ich wie Bruder und Schwester mit ihm gelebt.

RL: Aber war er bereit, diese neue Situation zu leben?

FG: Es war sehr schwer für ihn. Aber da Gott die Enthaltsamkeit verlangte, gehorchte ich. Schließlich reichte ich am 14. Dezember 2000 die Scheidung ein, um Christus in der Welt nachzufolgen, denn Er hatte mir gesagt: «Ich will, dass du mir in der Welt dienst». Nachdem ich ausgezogen war, habe ich mich intensiv mit dem katholischen Glauben befasst, und Anfang 2003 habe ich im Gehorsam gegenüber P. Eugen, einem Pallotinerpater von Osny, mit dem ich noch immer zusammen arbeite, ein Netz von Wander-ikonen des barmherzigen Jesus initiiert. Er ist mein Führer zur göttlichen Barmherzigkeit. Es geht darum, die Ikonen, die ich anfertige, für die Zeit einer Novene von einer Familie zur anderen zu geben. Heute wandern sie in verschiedenen Ländern, wie z.B. Frankreich, Guadalupe, Martinique, Ile-Les-Saintes, Ile de la Desirade, Belgien, Schweiz, Luxemburg, Portugal, Niederlande, Afrika, Italien. Manche Menschen, die diese Ikone aufnehmen, wollen sich nicht mehr von ihr trennen. Sie verlieben sich noch mehr in Jesus. Sie beten den Rosenkranz der Barmherzigkeit. RL: Sind es viele?

FG: Es ist ein großes Netzwerk.

RL: Ein internationales Netz? FG: Ja, unter der Leitung von P. Eugen.

RL: Gibt es keine Gebetsgruppen? FG: Nein, bei diesem Netzwerk nicht.

RL: Haben Sie einen Beruf? FG: Ja. Ich bin zweisprachige Direktionssekretärin. Nach der Wallfahrt nach Medjugorje habe ich damit aufgehört, um mich ganz dem Apostolat zu widmen. RL: Sie sind erst 46 Jahre alt; Sie sind noch nicht im Rentenalter – wovon leben Sie? FG: Meine Schwester (verheiratet, zwei Kinder) hat mir eine Wohnung zur Verfügung gestellt und meine Eltern ernähren mich. Ich habe das Geld, das mir meine Verleger anboten (Téqui, Parvis, Rassemblement à Son Image…) abgelehnt.

RL: Kaufen Sie sich Ihre Kleidung?

FG: Ich bettle, denn Jesus hat mir gesagt: «Klammere dich an die Armut», «Fürchte dich nicht zu betteln».

RL: Sie sind sehr überlastet.

FG: Ja, manchmal weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht.

RL: Leben Sie wie ein Prophet?

FG: Nein. Die Jungfrau Maria hat mir gesagt: «Du wirst keine Botschaften haben (wie die Propheten), aber bleibe meinem Sohn treu». Sie spricht

mit mir nur über mich.


RL: Sie haben eine Ausnahmegnade: Verzicht, Licht und Klarheit. Bleiben Sie dem treu. Es ist nicht leicht, auszuharren.

1) Anmerkung:
Am 30. April 2009 ernannte Papst Benedikt XVI. Monsignore René Laurentin zum «Prälat Seiner Heiligkeit».

 

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